Die Geschichte Bliedersdorfs und seiner Kirche


Fotos: Dieter Camper, Text: Christian Fuhst

Die Bliedersdorfer Kirche von 1240
Münze aus der Zeit Karls des Großen mit dem Bildnis des Kaisers

Die Geschichte des Ortes Bliedersdorf beginnt zur Zeit Kaiser Karls des Großen (742 - 814). Das in den Sachsenkriegen entvölkerte und verwüstete Land zwischen Elbe und Weser wurde nach 804 neu geordnet. Es entstanden befestigte Königshöfe in Altkloster, Harsefeld und Stade. Das dazwischen liegende Land wurde an verdiente Soldaten Kaiser Karls abgegeben. Ein Franke mit dem Namen Blidher bekam das Land am Unterlauf der Aue und ließ es vermutlich von zurückgebliebenen sächsischen Leibeigenen bewirtschaften. Er wird seinen Wohnsitz an dem gut geschützten Platz genommen haben, wo nun die Kirche steht. Der Franke Blidher gab seinem neuen Wohnort seinen Namen: Bliedersdorf.

Phantasiebild des Heiligen Ansgar, erster Erzbischof von Bremen von 831/845-865

Die Erben und Nachfolger des Blidher kamen durch Heiraten oder Erbfolge im Laufe der Zeit in den Besitz des gesamten Gebietes zwischen Este und Aue, in dessen Zentrum die Kirche von Apensen steht. Ihren Wohnsitz nahm die Adelsfamilie 1255 auf der neugegründeten Horneburg. Die nun mächtigen, vermögenden und einflußreichen Herren von Bliedersdorf stellten sich in den Dienst des Landesherren, des Bremer Erzbischofs. Der hatte seine Residenz in Bremervörde. Als treuer Gefolgsmann des Bremer Erzbischofs nahm Iwan von Bliedersdorf in den Jahren nach 1229 an den Kämpfen gegen die Stedinger teil. Die Bauern des Landes Stedingen links und rechts der Unterweser drohten der Stadt Bremen mit der Sperrung der Weser und dem Unterbinden der Weserschifffahrt. Der Erzbischof Gerhard II rief zum Kreuzzug gegen die Stedinger auf, die am 6. Juli 1233 vernichtend geschlagen wurden. Es wird ein Gelübde des Iwan von Bliedersdorf während der Kämpfe gegen die Stedinger gewesen sein, in Bliedersdorf eine Kirche errichten zu lassen. Man wird also davon ausgehen können, daß nach dem Einholen aller kirchlichen Erlaubnisse die Bliedersdorfer Kirche um 1240 errichtet worden ist.

Also nahmen die Stedinger ihr Ende - der Kampf der Stedinger Bauern gegen das Heer des Erzbischofs im Jahre 1233


Die Kirchentür


Die Tür der Bliedersdorfer Kirche

Man betritt heute die Bliedersdorfer Kirche durch eine kleine Tür, muß sich beim Eintreten vor Gott verneigen und beim Verlassen zu seinen notleidenden Mitmenschen hinabbeugen.


Der Innenraum der Kirche


Innenraum der Bliedersdorfer Kirche - Blick von der Empore zum Altar

Der Raum für die Gemeinde hat die Innenmasse 14 x 7 Meter. Es schließt sich der ursprünglich eingewölbte Altarraum in den Massen 6 x 5 Meter an. Alle Wände der Kirche sind bis in die höchsten Giebelspitzen aus den Feldsteinen errichtet, die auf den Äckern der Bliedersdorfer Bauern gefunden wurden. Die Steine sind im wilden Verband verlegt. Auch im Innenraum sind die Steine nicht verputzt. Noch 1690 klagte der damalige Pastor Faje, es müsse mit Mühe im Dach hinein geprediget werden. Erst danach werden die aus unbehauenen Eichenstämmen bestehenden Deckenbalken mit einem Boden abgedeckt worden sein. Der Altarraum hatte früher ein Gewölbe aus Ziegelsteinen. Nach dessen Einsturz gegen Ende des 19. Jahrhunderts bekam auch er eine Balkendecke.

Innenraum der Bliedersdorfer Kirche - Blick zur Orgel

Die Sage von der Bliedersdorfer Kirche


Die Bliedersdorfer wollten eine Kirche bauen. Als sie Steine und Kalk in genügender Menge gefunden hatten, da begannen sie ihr Werk. Tag für Tag schleppten Ochsengespanne auf schweren Wagen Kalk und Feldsteine den Hügel hinan, auf dem die Kirche entstand. Wie erstaunten aber die Bliedersdorfer, dass jeweils über Nacht der Bau ihrer Kirche augenscheinlich weitergeführt worden war. Man glaubte, Engel seien die unsichtbaren Helfer. Niemand wagte daran zu zweifeln. Zwei neugierige Jungen aber beschlossen, sich am Abend in der Nähe der Baustelle zu verbergen, um die Engel bei der Arbeit zu belauschen. Gesagt, getan. Doch die Armen wurden entdeckt, ergriffen und in die Kirchenmauer eingemauert. Am anderen Morgen fand man von den beiden Knaben nur den Zipfel einer Jacke, der aus der Mauer hervorlugte.


Der Beichtstuhl


Der Beichtstuhl

Zu den ältesten Einrichtungsgegenständen in der Bliedersdorfer Kirche gehört der Beichtstuhl. Die Vierteltonne über ihm mit den gotischen Fialen (Spitzen) wird früher den Altar überwölbt haben. Um 1700 wurden die Plätze im Beichtstuhl an drei Bauernfamilien ausgegeben, deren Namen bis heute zu lesen sind: Tönnies Dammann, Hein Engelken, Hans Bosche. Auch alle anderen Familien hatten in ihrer Kirche ihre festen Plätze, die sonntags besetzt sein mussten.


Die Taufe


Die Taufe in der Bliedersdorfer Kirche

Die 82 cm hohe Taufe ist aus einem Holzklotz hergestellt, der durch aufgesetzte Arkaden und Gebälke gestaltet ist. Der Aufsatz mit der Taube über den vier Rankenvoluten bedeckt die einfache Taufschale. 1696 liessen Johann Bellmann und Tönnies Dammann die Taufe neu vermalen. Die alte Tauf-Zinnschale wurde gestohlen.


Die Kanzel


Die Kanzel in der Bliedersdorfer Kirche

Der Stifter der Kanzel

Die Frau des Stifters

Schönster Schmuck der Kirche ist die 1622 von einer Bliedersdorfer Bauernfamilie gestiftete Kanzel. Auf einer 115 cm hohen Säule ruht der Kanzelkorb, dessen Brüstung 114 cm hoch ist. Rundbogige Arkaden umrahmen Bilder der vier Evangelisten. Blattwerk, Engel und Vögel schmücken die Kanzel, an deren Ecken die Bildnisse der Stifterfamilie zu sehen sind.


Die erste Tochter des Stifters

Der Sohn des Stifters

Die zweite Tochter des Stifters

Der Schalldeckel der Kanzel


Der Schalldeckel über der Kanzel

In späteren Jahren bekam die Kanzel einen Schalldeckel. Eine Taube in seinem Inneren erbittet den Segen des Heiligen Geistes für den Prediger. Und der soll laut reden, wie aus Jesaja 58, 1 zitiert wird, so dass es alle verstehen können: Erhebe deine Stimme wie eine Posaune.



© Evang.-luth. Kirchenkreis Buxtehude
Letzte Änderung: 10. 07. 2010