Pastorin Meriam Kalmbach

Aufräumen macht glücklich

Es ist wieder höchste Zeit für den Frühjahrsputz. Meine Motivation ist nicht besonders groß, aber die Medien machen mir Mut: „Aufräumen macht glücklich!“ Es gibt diverse Ratgeberlektüren, unzählige BloggerInnen und ich könnte sogar einen persönlichen Coach buchen, der mich zum Entrümpeln motiviert und in Sachen Ordnung beraten kann. Minimalismus als Lebensstil ist der neue Trend. Mir gefällt die kritische Auseinandersetzung mit unserem Konsumverhalten und der heutigen Wegwerfgesellschaft und wenn ich höre, dass ein durchschnittlicher Deutscher 10.000 Gegenstände besitzt, darf durchaus die Frage gestellt werden: „Was brauche ich wirklich davon um glücklich zu sein?“

Ich sehe durchaus den Vorteil sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, aber manchmal frage ich mich, ob dieser Trend zu einer neuen Religion wird. An manchen Stellen ist die Wortwahl dem religiösen Sprachgebrauch doch erstaunlich nahe: „Aufräumen befreit meine Seele.“ oder „Ich befolge die Zehn Gebote gegen das Chaos.“

Jesus selbst hat damals auch radikal aufgeräumt, im Tempel zum Beispiel. Auch er wollte eine Konzentration auf das Wesentliche. Die Menschen sollten nicht abgelenkt werden, sondern Augen und Ohren frei haben für Gott und sein Handeln in der Welt. Wenn mein Aufräumen mich dazu führt, dass ich wieder Augen habe für das, was Gott mir schenkt, jeden Tag aufs Neue, und ich Raum und Ruhe finde, nach Gott zu fragen und auf sein Wort zu hören, dann packe ich gerne mit an.

Pastorin Meriam Kalmbach in der Kolumne der Kirchen im Stader und Buxtehuder Tageblatt.