Pastorin Christa Haar-Rathjen

Irgendwas ist doch immer

Es gibt so schöne altmodische, ausgestorbene Wörter. Sendepause z. B.. Zwischen zwei Fernsehsendungen gab es manchmal eine Sendepause. Heute ist sie abgeschafft, ebenso wie der Sendeschluss oder das Testbild.Schade! Denn ich könnte manchmal so gut eine Sendepause gebrauchen. Zwischen zwei Terminen, zwischen Essen und Arbeiten, zwischen zwei Begegnungen. Wenn ich Pause habe, vibriert meistens mein Smartphone, klingelt das Telefon oder der Eisfrostmann an der Tür. Irgendwas ist doch immer. Ich gehe dem meistens gleich nach. Ich möchte schließlich nichts verpassen.

Doch bei den vielen Reizen, die tagein, tagaus auf mich einprasseln, wünsche ich mir manchmal eine Sendepause - und eine Empfangspause genauso. Einfach einen Moment, in dem ich nichts sage, nichts höre, nichts tue. Als Jesus mit seinen Jüngern durch die Gegend wanderte, nahm er sich ebenfalls manchmal eine Sendepause. Es war schon damals schwierig, sie durchzuhalten. Denn kaum hatte er sich zurückgezogen, da kam schon wieder jemand und wollte etwas von ihm. Darum fuhr er mit dem Boot auf 's Meer hinaus, um zu sich zu finden. Meiner Freundin passierte es, dass sie plötzlich gleichzeitig ohne Festnetzanschluss war und ihr Smartphone kaputt ging. „Oh, nein! Was hast du dann gemacht?“ „Ich habe mich nach draußen auf eine Bank gesetzt und gewartet, was passiert.“ „Und?“ „Da habe ich etwas wahrgenommen, das so altmodisch ist wie deine Sendepause, aber zum Glück noch nicht komplett ausgestorben: Vogelgezwitscher!“

Pastorin Christa Haar-Rathjen im Stader und Buxtehuder Tageblatt