Martin Krarup

Zwei Synoden

Donnerstag geht es los: Die Synode der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers trifft sich erstmals seit der Wahl im September. 80 Frauen und Männer werden für sechs Jahre das Parlament unserer Kirche bilden. Gesetze verabschieden, Haushaltspläne beschließen, Weichen stellen für die Zukunft.

Einer der vielen Neuen werde ich sein. Meine Spannung steigt allmählich. Respekt habe ich vor all den anstehenden Aufgaben, die schon warten. Vorfreude auf das Neue ist natürlich auch dabei. Und das Gefühl, dass eine gute demokratische Kultur in unseren Zeiten ungemein wichtig ist.

Dabei hat unsere Landeskirche schon seit über anderthalb Jahrhunderten eine Synode. Beeindruckend. Allerdings zunächst mehr zur Beschwichtigung von Unzufriedenen eingerichtet.

Seither wurde die Synode mit Leben gefüllt. Manche Entscheidungen haben zu Recht viel Aufmerksamkeit erfahren. 1963 z. B. – endlich – die Ordination der ersten Pastorinnen. Im letzten Jahr die Trauung für alle. Viele andere Entscheidungen blieben unter dem Radar der Medien – und haben doch die Kirche grundlegend verändert.

Schade, dass ein römisch-katholischer Kardinal den synodalen Weg in seiner Kirche als protestantischen Irrweg sieht. Er irrt, wenn er meint, in der evangelischen Kirche würden Wahrheitsfragen einfach per Mehrheitsbeschluss festgestellt. Es ist anders: Hauptamtliche und überwiegend Ehrenamtliche überprüfen gemeinsam an der Bibel, was es heute heißt, Kirche Jesu Christi zu sein.

Am Dienstag danach tagt schon wieder eine Synode – die unseres Kirchenkreises. Auch hier beginnt etwas Neues: Der Kirchenkreistag heißt in der neuen Verfassung Kirchenkreissynode, weil er mehr Kompetenz erhalten hat. In Apensen, wo wir tagen, gilt wie in Hannover: Schauen Sie den Synodalen bei ihrem Tun auf die Finger. Auch das ist Teil der demokratischen Kultur. Nicht in der Kirche erfunden, aber sie passt zu ihr.

Superintendent Martin Krarup in der Kolumne der Kirchen im Tageblatt.