Martin Krarup

Einmalige Momente

„Einmal sollte man…“ fing ein Gruß an, den ich zu meinem letzten Geburtstag bekommen habe. Da wünschte mir jemand, ich möge mir in diesem Jahr einen alten Wunsch erfüllen. Das gefiel mir, denn das habe ich tatsächlich vor. Ein Chor, in dem ich in meiner Jugendzeit gesungen habe, wird 40. Dazu lädt er Ehemalige ein, ausgerechnet das mitzusingen, was auf meiner Wunschliste ganz oben steht: Das Deutsche Requiem von Johannes Brahms. Da fahre ich hin.

Die hannoversche Landeskirche hat dieses Jahr „Zeit für Freiräume“ ausgerufen. Mit vielen Aktionen haben Kirchengemeinden dieses Motto aufgegriffen. Vor allem hat es aber nach innen den Blick dafür eröffnet, was wir zumindest für eine Zeitlang auch einmal lassen können. Oder weniger tun.

Das Gute daran: Ich werde darauf gestoßen, worauf es wirklich ankommt. Was mir selbst gut tut. Und was anderen fehlt, wenn es einmal nicht da ist. Und dann meldet sich vielleicht auch ein alter Wunsch zurück und findet seinen Raum.

„Einmal sollte man…“ statt „Möglichst viel von allem“. Ein gut christlicher Grundsatz. In der Bibel werden Menschen, die auf Kosten anderer ihren Reichtum ausleben, scharf kritisiert. Aber der besondere Moment – etwa  das große Festmahl mit allen Freunden – kommt immer uneingeschränkt positiv weg.

Bewusst das Außergewöhnliche gestalten und genießen, statt immer aus dem Vollen zu schöpfen. Wäre das nicht auch ein wichtiger Beitrag zur Nachhaltigkeit? Ich bin überzeugt, der Genuss des besonderen Momentes macht auch den Verzicht leichter. Und der ist ja nötig. Gott sei Dank gibt es auch das, was wir völlig klimaneutral noch viel mehr tun könnten. Täglich singen etwa. Muss ja nicht immer Brahms sein.

Superintendent Martin Krarup in der Kolumne der Kirchen im Tageblatt.