Weg zu mehr Frieden

Der Friedensnobelpreis ging in diesem Jahr an die Journalistin Maria Ressa und den Journalisten Dmitri Muratow. Die Journalistin und der Journalist werden ausgezeichnet dafür, dass sie sich für Meinungsfreiheit eingesetzt haben. Sie setzten sich somit für einen wichtigen Baustein auf dem Weg zu mehr Frieden ein. Am 10. Dezember wird, wie jedes Jahr, die Preisverleihung stattfinden.

Ich denke mir, es müsste davon mehr geben. Mehr Auszeichnungen und Preise für Menschen, die sich um Frieden bemühen. Auch mehr Nachrichten darüber, wenn jemand etwas für Gerechtigkeit, Gleichberechtigung und zum Klimaschutz beigetragen hat. Dies sind wichtige Grundbausteine und sie bilden das Fundament dafür, dass Frieden entstehen kann.

Morgen begehen wir den Volkstrauertag, auch Friedenssonntag genannt, den vorletzten Sonntag im Kirchenjahr. Uns tritt das Ausmaß von Bosheit der beiden Weltkriege und der heutigen Kriege vor Augen. Viele Menschen tragen ihre schmerzhaften Erinnerungen an den Krieg mit sich. Von den längst vergangen geglaubten Kriegen und solchen, die sich gegenwärtig ereignen.

Es ist gut, davon zu erzählen und auch die Erinnerung daran wach zu halten. In der Bibel steht beim Propheten Habakuk das Wort „die Steine in der Mauer werden schreien.“ Neben den lebendigen Erinnerungen sind es für mich die Gedenksteine auf den Friedhöfen, die bis heute schreien: Nie wieder! Ich gehöre zu einer Generation, die keinen Krieg miterleben musste und empfinde große Dankbarkeit, dass wir schon 76 Jahre lang in Frieden leben. Und Dankbarkeit dafür, dass viele Menschen nach den traumatischen Erlebnissen der Weltkriege Zeiten des Trostes, der Heilung, des Neuanfangs erleben durften. Und trotzdem sind wir immer noch und wieder auf dem Weg zum Frieden. Frieden braucht Zeit und Vorarbeit. Und Raum für Erzählungen. Öffentliches Erzählen in Zeitungen, mit uneingeschränkter und unzensierter Berichterstattung. Dafür haben sich auch die beiden Friedensnobelpreisträger mutig eingesetzt und sie werden ausgezeichnet werden.

Erzählen spielt aber auch eine wichtige Rolle von Mensch zu Mensch. Wenn Menschen aus heutigen Kriegsgebieten in unser Land kommen, tut es gut, hinzuhören und zuzuhören, wenn sie von ihren Erlebnissen erzählen. Aufrichtiges Zuhören und Hören bringt die Zuhörenden und Erzählenden einander näher und schenkt Trost und Hoffnung. Berichten und Zuhören sind Bausteine auf dem Weg zum Frieden. Danke! An dieser Stelle an alle, die sich für den Frieden einsetzen, damit das Fundament für Frieden aufgebaut werden kann und beständig bleibt. Gott schenke uns seinen Frieden, damit wir Frieden finden und mithelfen, Frieden zu stiften!

 

Pastorin Heike Kircher in der Kolumne der Kirchen im Stader und Buxtehuder Tageblatt v. 13. November 2021.