Pastorin Meriam Kalmbach

Wie geht’s dir?

„Wie geht’s dir?“ „Gut. Danke. Und selbst?“ In vielen Begegnungen ist die Antwort kurz und knapp. Ich freue mich, einen bekannten Menschen zu treffen und gehe wieder meinen Weg. Aber manches Mal denke ich dann doch noch darüber nach, wie es diesem Menschen wohl wirklich geht. Worüber freut er sich? Wofür ist sie wohl gerade besonders dankbar? Was besorgt ihn? Was beschäftigt sie?

Auch mir tut es gut, von Zeit zu Zeit dieses für mich zu bedenken und zu sortieren, zum Beispiel im Gespräch mit einer Freundin: Wofür bin ich zurzeit dankbar? Was macht mir Sorgen?

Und da höre ich folgende Worte:

„Ruf mich an! Ich bin da!“

Das sind Worte Gottes. Auf die Frage nach seinem Namen antwortet Gott: „Ich bin der ´Ich bin da`.“ (Ex 3,14). Und Gott wartet darauf, dass ich ihn anrufe (Ps 50,15).

Im Gebet kann ich sortieren, welche Gefühle mich umtreiben - wie in einem Gespräch mit einer Freundin. Ich fasse in Worte, was mich beschäftigt und ich sage es Gott. Das Gebet hilft mir mich zu orientieren und meinen Gefühlen Raum zu geben. Es ist ein Raum, wo meine Gefühle gut aufgehoben sind.

Und ich lerne im Gespräch mit Gott auch sensibler zu sein für die Gefühle anderer.

Vielleicht ergibt sich in dieser Woche eine Möglichkeit bei einem lieben Menschen genau nachzufragen: Wie geht‘s dir? Ich will diesen Moment nutzen in dem Wissen: „Immer ist die wichtigste Stunde die gegenwärtige. Immer ist der wichtigste Mensch der, dem du gerade gegenüberstehst. Immer ist die wichtigste Tat die Liebe.“ (Meister Eckart)

Pastorin Meriam Kalmbach in der Kolumne der Kirchen im Stader und Buxtehuder Tageblatt.