Pastor Michael Glawion

Siebenschläfer

Ach, was ist er doch für ein niedliches Tier: Der Siebenschläfer. Etwa so groß wie ein Eichhörnchen schaut er einen aus seinen riesigen schwarzen Augen an, die ein bisschen zu groß geratenen Ohren geben ihm ein putziges Aussehen. Und dass er gut sieben Monate im Jahr schlafend verbringt, ich finde, dass macht ihn doch eigentlich nur sympathisch.

Praktisch ist ja auch der Zusammenhang mit dem Sommerwetter in den sieben Wochen nach dem Siebenschläfertag: Ich habe sofort das Bild vor Augen, wie dieses Tierchen nach einem langen Winterschlaf Ende Juni seine Augen öffnet und sein kleines Näschen aus der Schlummerhöhle streckt, um zu ergründen, welches Wetter nun für sieben Wochen andauern soll…

Dummerweise haben die beiden, der Siebenschläfertag und das Siebenschläfertierchen, überhaupt nichts miteinander zu tun. Der Siebenschläfertag, den wir in dieser Woche am Donnerstag begangen haben, hat nämlich seinen Namen nicht von den kleinen Nagern mit ihrem ungewöhnlich großen Schlafbedürfnis bekommen, sondern geht zurück auf die sieben Schläfer von Ephesus: Sieben jungen Männer, die im Jahr 251 n. Christus als Christen verfolgt worden sind und Zuflucht in einer Höhle gefunden haben. Sie wurden von den Heschern des röm. Kaisers Decius aufgespürt und in der Höhle eingemauert. Als die Höhle der Legende nach 195 Jahre später am 27. Juni 449 zufällig geöffnet wurde, zu einer Zeit, als Häretiker gerade die Auferstehung der Toten bezweifelten, wurden die Mähher – oh, Wunder! – wieder zum Leben erweckt und erwachten aus ihrem langen Schlaf.

Und was lernen wir daraus? 1. Siebenschläfer sind putzig, können aber kein Wetter machen. 2. Wenn sich mal wieder Ihnen gegenüber wundert, was das Wetter am Siebenschläfertag mit kleinen Nagetieren zu tun hat, wissen Sie es nun besser: Nichts. 3. Wie das Wetter am Siebenschläfertag, der vor der gregorianischnen Kalenderreform im übrigen auf dem Tag lag, der heute, dem  7. Juli entspricht, auch sein wird, der eigentliche Segen liegt nicht im Regen oder im Sonnenschein, sondern in der Hoffnung darauf, dass uns Gott auch im Tod nicht lässt, sondern wieder auferwecken wird zu seiner Zeit. In diesem Sinne wünsche ich uns allen einen ruhigen Schlaf.

Pastor Michael Glawion im Stader und Buxtehuder Tageblatt