Pastor Andreas Hellmich

Der Tag der Arbeit

Der „Tag der Arbeit“ auf einem Sonntag? So ist es… und wird von der politischen Diskussion begleitet, ob der Feiertag dann nicht nachgeholt werden müsse. Ohne Frage: Der zusätzliche Feiertag geht verloren. Doch mal anders gedacht: Kann der Sonntag auch ein „Tag der Arbeit“ sein? Nicht, um das Arbeitspensum durchzuziehen, sondern um über das Verhältnis zur Arbeit nachzudenken? Der 1. Mai war in Europa bereits seit 1890 der „Kampftag der Arbeiterbewegung“. 1919 wird der 1. Mai erstmalig und einmalig ein Feiertag in Deutschland. Instrumentalisiert vom Nationalsozialismus, wird der 1. Mai ein ständiger Feiertag. 1946 wird er als Feiertag bestätigt. In Westdeutschland rufen nun die Gewerkschaften traditionell zu Demonstrationen für Arbeitnehmerrechte auf. Für viele allerdings ist dieser Tag schlicht ein willkommener freier Tag. Aber wie wäre es, über die Arbeit als Teil meines Lebens nachzudenken? Kommt das eigentliche Leben nach der Arbeit? Oder ist die Arbeit mein Leben? Wie sieht es mit dem Verhältnis von Arbeit und Ruhe aus? Wie bleibe ich gesund bei aller Arbeit? Sofern er noch nicht durch Schichtarbeit oder Sonntagsarbeit ausgehebelt wurde, ist der Sonntag eine Aus-Zeit von der Arbeit. Nutze ich sie, um über mein Leben nachzudenken? Und es schadet nicht, dabei auch Impulse eines Gottesdienstes aufzunehmen – ganz im Gegenteil: „Das Wort, das Dir hilft, kannst Du Dir nicht selber sagen.“ Diese afrikanische Weisheit gilt auch am „Tag der Arbeit“ – Sonntag für Sonntag.

Pastor Andreas Hellmich in der Kolumne der Kirchen im Stader und Buxtehuder Tageblatt v. 30. April 2022.