Pastorin Meriam Kalmbach

Der Glaube lebt von Nähe und Begegnung

Endlich! Der Sommer ist da. Was für ein verrücktes Jahr liegt hinter uns. Immer wieder mussten wir uns auf neue Situationen einstellen. Die einen hatten ihre Kinder rund um die Uhr zu Hause und mussten sich neuen Herausforderungen im Familienalltag stellen. Die anderen haben mit Unsicherheit und Angst gekämpft, weil der Job nicht so sicher ist, wie er immer schien. Viele waren einsam, haben sich als überflüssig oder gar als Belastung für andere erlebt. Die Sorge um die eigene Gesundheit und das Wohlergehen der Liebsten war ein ständiger Begleiter. Viele sind erschöpft. Es ist anstrengend sich immer wieder auf neue Situationen einzustellen, immer flexibel zu reagieren und besonnen zu handeln.

Doch nun scheint es wieder Licht am Horizont zu geben. Ein Aufatmen geht durch die Gesellschaft. Der Sommer kommt und die schlimmste Zeit der Pandemie scheint hinter uns zu liegen. Wir wollen reisen, Freunde treffen, gemeinsame Aktivitäten planen und Gäste empfangen. Die Sehnsucht nach Begegnung ist groß – bei Alten und Jungen gleichermaßen. Das social distancing hat großartige digitale Formate hervorgebracht und viel Kreativität freigesetzt, aber das virtuelle Miteinander ersetzt nicht das reale Zusammensein. Ob Gottesdienste, Kinder- oder Konfirmandengruppe, Jugendtreff oder Seniorennachmittag, Chor oder Band, Männer- oder Frauenfrühstück - der Glaube lebt von Nähe und Begegnung. Gott hat uns geschaffen zur Gemeinschaft. Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei. Wir brauchen einander, wollen uns aneinander freuen und füreinander Hilfe, Segen und Ermutigung sein. Ich hoffe, die Sonne lockt uns raus und bringt neue Energie, dass auch in unseren Kirchen vieles wieder zu neuem Leben erwacht.

Pastorin Meriam Kalmbach in der Kolumne der Kirchen im Stader und Buxtehuder Tageblatt v. 12. Juni 2021.