Sorgenfreies Leben?

Kennen Sie ein sorgenfreies Leben? Vielleicht, wenn Sie als Kinder wohlbehütet in einem intakten Familienverband herangewachsen sind. Aber spätestens mit der Pubertät wird diese Leichtigkeit wohl verflogen sein.

Ich vermute, dass jeder Mensch Sorgen hat oder sich Sorgen macht. Sorgen um sich selbst, um seine Gesundheit, seine Lebensführung, seine Zukunft. Sorgen um seine Familienangehörigen, um Freundinnen und Freunde, um seine Arbeitsstelle.  

Mit dem Ausbruch der Coronapandemie und vor allem mit dem Überfall auf die Ukraine sind die Sorgen für viele Menschen scheinbar oder existenziell zu einem unlösbaren Problem geworden.

Welche Strategie verfolgen Sie bei Ihrer Problemlösung? Schieben Sie die Schuld auf andere oder stecken Sie den Kopf in den Sand nach dem Motto „nach mir die Sintflut“? Versuchen Sie sich als Krisenmanager, und fühlen sich wie der Jongleur im Zirkus, der zehn Bälle auf einmal in die Luft wirft? Versuchen Sie Abstand zu gewinnen, eine neue Perspektive einzunehmen und die Probleme neu zu gewichten? Teilen Sie Ihre Sorgen mit anderen und erfahren, dass „geteilte Sorgen zu halben Sorgen“ werden, weil es Ihnen leichter ums Herz wird? Vielleicht hilft Ihnen ein Spaziergang den Kopf wieder „frei“ zu bekommen und das jeweilige Problem klarer zu sehen und neu zu bewerten: Muss tatsächlich ich das Problem lösen oder sind dafür doch andere zuständig?

Und wenn es unlösbar scheint? In solchen Situationen hilft mir dann die Rücksprache mit Gott.

Vielleicht probieren Sie es in den Gottesdiensten am Reformationstag, an Allerheiligen oder Allerseelen selber aus und befolgen die Empfehlung des Schreiber des 1. Petrusbriefes: „Werft alle eure Sorge auf ihn, denn er kümmert sich um euch!“

Dechant Johannes Pawellek in der Kolumne der Kirchen im Stader und Buxtehuder Tageblatt vom 29. Oktober 2022