Martin Krarup

Erinnerung

Morgen wird etwas fehlen. Es ist der erste Volkstrauertag seit Jahren, an dem ich nicht bei der Kranzniederlegung im Stadtpark sein werde. Öffentliche Veranstaltungen sind für morgen in den meisten Gemeinden abgesagt. Der Grund ist klar: Die Pandemie.

Nicht alle werden das vermissen; vielerorts ging die Beteiligung an den Veranstaltungen in den letzten Jahren zurück. Von denen, die noch eigene Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg haben, leben nur noch wenige.

Aber ich glaube, da fehlt etwas. Die Folgen der Weltkriege sind für manche Familie über zwei oder drei Generationen prägend gewesen. Für viele Menschen gehört die Kranzniederlegung am Volkstrauertag fest zum Jahreslauf. Und es gibt Opfer von Krieg und Gewalt, die leicht vergessen werden. Erinnern ist wichtig.

Dieses Mal geht es nicht anders: Die politischen Vertreterinnen und Vertreter werden stellvertretend für die ganze Gesellschaft Kränze niederlegen. Die werden dann auch noch einige Wochen zu denen sprechen, die vorübergehen.

Vielleicht ist dieses Jahr mit dem so anderen Gedenktag ein guter Anlass, über die Zukunft des Volkstrauertags nachzudenken. Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge in Niedersachsen. hat das mit anderen gesellschaftlichen Gruppen in den letzten Jahren schon getan. Wichtig sind dabei neue Perspektiven. Wie etwa diese: In Stade sind Anfang dieser Woche zwei neue Stelen errichtet worden, die an die Opfer der Naziherrschaft erinnern.

Es wird darum gehen, dass Mahnmale und Kränze keine stummen Zeugen bleiben. Dass wir uns über unsere Geschichte verständigen.

Sie christlich zu verstehen heißt: Unsere Zeit zerrinnt nicht einfach; sie steht in Gottes Hand. Darum gilt es, Erinnerung zu pflegen.