Pastor Michael Glawion

Tag des deutschen Apfels

Nicht nur unsere Obstbauern im Alten Land würden sich freuen, wenn wir alle heute am 11. Januar, an dem in Deutschland der „Tag des deutschen Apfels“ begangen wird, einen Apfel äßen. Auch unserem Körper würde diese kleine Vitaminbombe sicher guttun. Wie sagt man doch so schön: An apple a day keeps the doctor away.

Doch das gute Apfelimage hat auch ein paar hässliche Flecken. Spätestens seit den Gebrüdern Grimm und ihrem Schneewittchen wissen wir doch, dass gerade die schönsten Äpfel auch ihre Tücken haben können. „Beiß nicht gleich in jeden Apfel…“, so hat es dann ja auch ein Schlager in den sechzigern besungen und warnt nur folgerichtig vor den Überraschungen des Apfelessens. Und schließlich hat auch die Theologie ihre Spuren auf dem Image des Apfels hinterlassen, in dem sie ja fälschlicherweise die Frucht vom Baum der Erkenntnis schon früh mit einem Apfel gleichgesetzt hat.

Also doch besser keinen Apfeltag feiern, weil der Apfel, der uns als so gesund und lecker angepriesen wird, gleich mehrere üble Flecken auf seiner weißen Weste – pardon, roten Schale –  trägt?

Ich glaube, man sollte nicht zu kleinlich mit dieser leckeren und gesunden Frucht sein. Wir alle sind ja nicht frei von Makeln und Fehlern, und den wenigsten von uns sieht man an, was er oder sie im Schilde führt. Es gilt: Wer immer nur zweifelt und skeptisch ist, verliert mehr als er gewinnt. Über allem sollte letztlich das Vertrauen stehen, das Psalmbeter ausspricht: Wunderbar sind deine Werke, Gott, das erkennt meine Seele (Ps. 139,14b). Nicht der Makel bestimmt, wer wir sind, sondern dass wir von Gott geschaffen, gewollt und geliebt sind. Ich finde, das macht uns alle und die Welt gleich ein bisschen appetitlicher.

Pastor Michael Glawion im Stader und Buxtehuder Tageblatt