Auf der Suche nach der Chance, die in jeder Krise steckt. Kirchenkreissynode tagt digital

In einer Krise die Anstrengungen zu intensivieren bei gleichzeitiger Einsicht in die Begrenztheit des Wirkens, das nennen manche Wirtschaftstheoretiker eine Omega-Phase. „Eine Omega-Phase kann immer in zwei Richtungen ausgehen. Entweder ich beschleunige den Niedergang nur noch durch all meine Anstrengungen. Oder ich habe Glück und finde doch eine Erzählung, eine Methode, ein Vorgehen, das funktioniert und weiterträgt.“ 

Mit einem Ausflug in die Gedankenwelt des französischen Philosophen Diderot und in den Kosmos der Wirtschaftstheorie beschrieb Pastor Robert Schnücke-Melcher Ende Juni in seiner Andacht vor den Delegierten der Buxtehuder Kirchenkreissynode (KKS) die Chance, die in jeder Krise steckt. Der promovierte Theologe und Wirtschaftsethiker, der im Februar in Mulsum zum Pastor ordiniert wurde, motivierte seine Zuhörer*innen aus der Kirchenkreissynode, nach diesem Moment, das die Wende bringen kann, Ausschau zu halten. 

So schuf er den Boden für die Berichte aus den Ausschüssen der KKS. Den Aufschlag machte hier Hartwig Holthusen, Vorsitzender im Stellenplanungsausschuss. Er erläuterte, dass die am Ende zu erbringende Einsparungssumme spürbar niedriger ausfallen wird als die 411.000 Euro, die die Landeskirche bis 2028 weniger zur Verfügung stellen wird. Positiv wirken sich für den Kirchenkreis erhöhte Pachteinnahmen aus. Hier spielen auch Windenergieanlagen auf Kirchenland eine Rolle. In den kommen Monaten werden die Personalkosten in einem diskursiven Prozess abgeklopft auf ihr Einsparungspotential. Andreas Hellmich mahnte an, hier nicht einseitig an Pfarrstellen zu denken.

Frank Fohrmann, Vorsitzender im Bau- und Finanzausschuss, fing den Ball auf und gab zu bedenken, dass durch das Konzept der Regionaldiakon*innen im Bereich Jugendarbeit nicht weiter gekürzt werden könne, da bereits schon jetzt nicht mehr alle Gemeinden  eine eigene Diakonin/ einen eigenen Diakon beschäftigen können. In seinem Bericht beschrieb Fohrmann die Art der bisherigen Grundzuweisungen aus der Landeskirche, die sich neben der Anzahl der Gemeindemitglieder auch an der Kubatur (umbauter Raum) orientiert.  Die Baurücklagen des Kirchenkreises belaufen sich auf rund 745.000 Euro und sind damit leicht rückläufig. Im Vorjahr beantragte Bauvorhaben konnten coronabedingt noch nicht alle umgesetzt werden.

Regionaldiakonin Karen Seefeld als Vertreterin aus dem Kinder- und Jugendausschuss berichtete ihrerseits von rückläufigen Auslastungen der Sommerfreizeiten. Hier macht sich ein Traditionsabbruch bemerkbar, der schon vor der Pandemie begonnen hat. Mit kostengünstigeren und ökologisch ausgerichteten Freizeitangeboten und erweiterten Werbemaßnahmen will das Jugendteam diesem begegnen. Aufgrund von Kostensteigerungen der Freizeithäuser kann auch die Juleica-Ausbildung nicht mehr kostendeckend durchgeführt werden und braucht Unterstützung aus dem Kirchenkreis. Das Modell der Juleica-Ausbildung wird zukünftig an die veränderten Bedingungen angepasst, indem schon ein Grundkurs für Jüngere ins Portfolio aufgenommen wird. In ihren Zoomkonferenzen hat sich der Jugendausschuss außerdem mit dem Jugendschutzkonzept und der dazugehörenden Risikoanalyse für den KKJD (Kirchenkreisjugenddienst) beschäftigt und den Planungszeitraum für die kommenden Jahre in den Blick genommen. Um Ressourcen zu bündeln, sollen Kinderbibeltage und Kinderaktionstage zukünftig im Kirchenkreis gemeinsam vorbereitet und in den Gemeinden individuell angepasst und umgesetzt werden.

Auch der Bericht aus der Landessynode durch die Synodalen Dr. Martin Krarup und Gabriele Furche stand unter der Fragestellung: Wie können wir in Zukunft Kirche gestalten? Mit dem „Aktenstück 25a“ ist ein Konzept für einen Zukunftsprozess im Aufbau. Das Thema sexualisierte Gewalt nahm u.a. in den Statements des Landesbischofs Ralf Meister mit einem Schuldbekenntnis einen breiten Raum auf der Tagung der Landessynode ein. Ein Schutzkonzept gegen sexualisierte Gewalt soll auf den Weg gebracht werden.

Bezüglich der rückläufigen Finanzen werde angedacht, wie ab 2024 mit den Rücklagen der Landeskirche umgegangen wird.

Auch neue Formen des Spendenmarketings bei Nichtmitgliedern, die kirchliche Angebote nutzen, werden reflektiert, so Krarup.

Angesichts der vielen Berichte über Defizite in den kirchlichen Handlungsfeldern, kam im Plenum der erneut digital tagenden KKS die Frage auf: „Wie kommen wir aus der apokalyptischen Grundhaltung raus in eine Handlungsoffensive?“ Damit war der Bogen zur Andacht geschlagen und die zukünftigen Herausforderungen der haupt- und ehrenamtlichen Kirchenaktiven grob umrissen.

Personalnachrichten beschlossen die Tagesordnung. Die Geschäftsführerin des Diakonieverbands, Nabi Oberbeck, wird auf der Suche nach einer neuen beruflichen Herausforderung den Verband verlassen. Superintendent Dr. Thomas Kück aus Stade übernimmt kommissarisch die Leitung. Die Suche nach einer neuen Geschäftsführung hat begonnen.

Manuela Handelsmann, Pastorin aus Bliedersdorf und langjähriges Mitglied im Vorstand des Kirchenkreisparlaments kündigte ihren bevorstehenden Ruhestand zum 1. November an. Sie und Pastor Lutz Tietje, der bereits im Sommer nach Oslo wechselt, wurden vom KKS-Vorsitzenden Rüdiger Graeger mit Dankesworten verabschiedet.

Christa Haar-Rathjen