„Zeit für Freiräume 2019“ am 6. Januar in Buxtehuder St. Petri-Kirche eröffnet

„Um des Menschen willen – Zeit für Freiräume“: Die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers stellt für das Jahr 2019 das Motto zur Diskussion: Mehr Freiräume für die Menschen.

Das gilt für jeden einzelnen Menschen und auch für das kirchliche Leben. In einer eindrucksvollen Predigt schildert Brandy, was das konkret heißen kann, in unserem festgefahrenen Leben Freiräume einzuräumen, Routinen zu durchbrechen, vielleicht etwas wegzulassen, Dinge ganz anders zu sehen, Zeit für das Atemholen zuzulassen – um des Menschen willen.

Auf große Skepsis sei er gestoßen, sagte Brandy: Das gehe doch nicht! Was sie tun, habe doch alles seinen Sinn, sei wichtig. Die Arbeit in den Gemeinden müsse doch laufen. Die Verstorbenen müssten doch beerdigt werden, die Gottesdienste gehalten, die Kinder in der Kita betreut werden. Die Arbeit in den Verwaltungsämtern könne doch nicht einfach liegen bleiben. Und außerdem: „ Wisst ihr eigentlich, was bei uns los ist? Wir kommen doch so schon kaum hinterher mit allem. Und nun sollen wir auch noch Freiräume machen, Pausen, weniger tun? Was denn noch alles? Das geht doch überhaupt nicht.“

Brandy sagte, diese Einwände nehme er sehr ernst. Aber schon das offene Gespräch darüber, ob Freiräume möglich seien, könne sehr fruchtbar sein. Ganz schnell entstehe ein sehr spannendes Gespräch. Ist das denn wirklich so, dass bei uns gar nichts wegfallen kann? Ist wirklich alles völlig unverzichtbar? Wäre es nicht spannend, mal auszuprobieren, ob wir etwas weglassen oder anders machen könnten? Und wofür hätte ich gern mal Zeit? Ganz persönlich? In der Kirchengemeinde? In meinem Beruf?

Brandy bezog sich auf das Sabbatgebot, das sehr alt und doch sehr modern sei. „Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht“, sagt Jesus. „Um des Menschen willen“ – das sei auch das Motto für dieses Jahr 2019. Dies erinnere uns an diese unaussprechliche Wohltat des Schöpfers, der den Siebten Tag zum Ruhetag erklärt habe, für die Juden der Sabbat, für Christenmenschen dann der Tag der Auferweckung Jesu, der Sonntag. Der Sabbat sei eine unglaubliche soziale Errungenschaft gewesen: keine Arbeit an diesem Tag, auch für Knecht und Magd nicht, auch nicht für die Migranten, den Fremdling, der in deiner Stadt lebt. Sagenhaft aktuell! Was die Juden der Kultur der Menschheit durch den Sabbat und den Sieben-Tage-Rhythmus der Woche gegeben haben, sei überhaupt nicht zu unterschätzen.
Es gehe aber um eine Einübung darin, sabbatlich zu leben. Es gehe darum, dem Leben ein heilsames Gleichgewicht, einen heilsamen Rhythmus zu geben. Und Brandy rief dazu auf, für uns privat und in der Kirche zu überlegen, wie wir vieles vielleicht anders und einfacher gestalten könnten: Was ist wirklich wichtig? Wo können wir Routinen durchbrechen? Wo halten wir uns zu Unrecht für unentbehrlich? Aktueller denn je ist, was Jesus den Pharisäern antwortete, die den Jüngern verbieten wollten, am Sabbat Ähren auszureißen und ihren Hunger damit zu stillen: „Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht und nicht der Mensch um des Sabbats willen. (Markus 2, 27)

Thomas Haase

Sup. Martin Krarup und Lasup. Hans Christian Brandy (v. l.)