Kirchenkreissynode stellt sich praktischen Fragen zu Umwelt- und Klimaschutz in den Kirchengemeinden

Appelle bringen nicht viel. Positive Emotionen müssen dazu kommen, damit Menschen sich für Klimaschutz engagieren und das eigene Verhalten ändern. Noch zentraler sind politische Entscheidungen zugunsten des Schutzes der natürlichen Ressourcen. Diese Botschaft gab Reinhard Benhöfer, Referent für Umwelt- und Klimaschutz im „Haus Kirchlicher Dienste“ in Hannover, den Delegierten der Kirchenkreissynode in Apensen in seinem Vortrag über Umwelt- und Klimaschutz mit auf den Weg.

Zunächst zeichnete er die beiden wichtigsten Grenzen für den Planeten Erde nach – die drastische Verringerung der Artenvielfalt durch einen erhöhten Phosphor- und Stickstoffeintrag und den Klimawandel u. a. infolge eines erhöhten CO2-Ausstoßes. Dafür nannte er Beispiele: 

„Zwischen 1989 und 2014 hat die Zahl der Insekten an 88 Standorten in NRW um 80% abgenommen. Allein durch den Klimawandel werden in den nächsten Jahrzehnten 5 – 30% aller Pflanzen- und Tierarten in Deutschland aussterben.“

Ein Blick zum Thema in die Geschichte der Landessynode 

Bereits 2007 hatte die Landessynode der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers festgestellt, dass der überwiegend von Menschen aus den Industrienationen verursachte Klimawandel „Gottes gute Schöpfung“ bedrohe und globale Ungerechtigkeiten nach sich ziehe:  

„Die Hauptleidtragenden sind vor allem arme Menschen im Süden, die ihn nicht verursacht haben. Die Verursacher sind vor allem reiche Menschen, die die Folgen in geringerem Umfang zu spüren bekommen und die sich dank ihres Reichtums vor den Folgen besser schützen können.“ (23. Landessynode, 2007, Aktenstück 170 A)

Klimaschutzkodex für jede Kirchengemeinde

Jede Kirchengemeinde und jeder Kirchenkreis könne einen Klimaschutzkodex aufstellen. Die praktischen Vorschläge Benhöfers gehen von einem effektiven Energiemanagement in jeder Kirchengemeinde über die naturnahe Gestaltung der Gemeindeflächen und kirchlichen Friedhöfe bis hin zu Tipps für Gemeindefeste, bei denen attraktive vegetarische Gerichte die traditionelle Grillwurst ergänzen oder sogar ganz verdrängen könnten.

Er gab aber auch zu, dass innerhalb der Landeskirche die Vorgaben für die Verpachtung von kircheneigenen Flächen noch nicht umfassend auf Klimaziele bezogen seien. Die Nordkirche habe dazu bereits Empfehlungen zusammengestellt unter dem Link: https://infoportal-kirchenland.de/

Bei den Zuweisungen des Kirchenkreises zu Bauvorhaben in den Gemeinden sollten Klimaschutzkriterien beachtet werden, z. B. sollten Investitionen in neue Heizungsanlagen nur noch für Heizungen mit regenerativer Energiequelle möglich sein.

Wohlfühleffekte durch Klimaschutz 

Praktischer Klimaschutz könne positive Emotionen wecken. Erfolge z. B. beim Einsparen von Heizkosten seien „was für´s Ego“.

Ob allerdings das Beispiel einer Gemeinde aus Braunschweig Schule machen wird, die von Januar bis Ostern ungeheizt bleibt unter dem Motto „Martini-Eiskalt“, wird sich zeigen. Mit einem kurzen Gottesdienst mit Bewegung und mit Tee und Wolldecken ließen sich dort sogar Gottesdienstbesucherzahlen steigern und 1000 Euro in einer Heizperiode einsparen. Der Pastor hatte sich unter anderem im Fußballballstadion zu der Idee inspirieren lassen: "Da zahlen Zuschauer bis zu 100 Euro und sitzen dann zwei Stunden in der Kälte. Wir haben den Vorteil, dass es zumindest nicht zieht."

https://www.landeskirche-braunschweig.de/nc/aktuell/nachrichten/meldung/artikel/martini-eiskalt.html

28.02.2020                          Christa Haar-Rathjen

 

KKS-Vorsitzender Rüdiger Graeger, der landeskirchliche Umweltbeauftragte Reinhard Benhöfer und Superintendent Dr. Martin Krarup (v. l. n. r., Foto: Haar-Rathjen)