Kirchenverfassung, Doppik, Jugend- und Frauenarbeit: Kirchenkreistag stellt sich Herausforderungen

Kirchenverfassungen haben ihre Zeit. Die Verfassung der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers ist in die Jahre gekommen. Daher wird sie derzeit überarbeitet und den aktuellen Anforderungen der Christenheit im 21. Jahrhundert angepasst.

Bei der jüngsten Sitzung des Kirchenkreistags Buxtehude (KKT) im November in Ahlerstedt stellte Oberlandeskirchenrat Dr. Rainer Mainusch aus dem Landeskirchenamt Hannover die wichtigsten Neuerungen dar. Ziel sei es, die heutige kirchliche Wirklichkeit besser darzustellen und Offenheit gegenüber neuen Entwicklungen zu zeigen. Stärker als in der bisherigen Verfassung sollen theologische Grundlagen deutlich werden.

Haupt- und Ehrenamtliche kommen künftig gleichberechtigter nebeneinander zu stehen. Jugendliche und junge Erwachsene können sich stärker beteiligen. Neue Formen von Gemeindebildung sollen gefördert werden.

Der Senat, ein Querschnittsgremium aus Landessynode, Bischofsrat und Landeskirchenamt, wird sich auflösen.

Der Öffentlichkeitsauftrag der Kirche wird in der Verfassungsnovelle stärker betont. Die evangelische Kirche sieht sich zur Mitverantwortung für die Gestaltung des demokratischen Gemeinsinns berufen, und zwar nicht allein für ihre Mitglieder, sondern für alle im Staat lebenden Menschen in Auseinandersetzung mit anderen Religionsgemeinschaften und deren Demokratieverständnis.

Der theologisch begründete Verzicht auf die Mission an Menschen jüdischen Glaubens wird erstmalig in der Verfassung festgeschrieben.

Aus der Verfassungserneuerung resultiert auch eine Neufassung der Kirchenkreisordnung: Dabei wird der KKT zu einer Kirchenkreissynode werden nach dem Vorbild anderer Gliedkirchen der EKD, wie z.B. der Nordkirche. So werde die gemeinsame Verantwortung der Kirchengemeinden für den Kirchenkreis mehr betont.

Das Amt der Superintendentin, bzw. des Superintendenten wird stärker theologisch ausgerichtet sein.

Über das Internet-Portal der Landeskirche, <http:> www.kirchenverfassung2020.de, können noch bis zum 31.12.2017 die einzelnen Paragrafen des Verfassungsentwurfes mit der bestehenden Verfassung verglichen und interaktiv kommentiert werden.</http:>

Grundmelodie der erneuerten Konstitution sei die Stärkung der Gemeinschaft: "You never walk alone", beschloss Mainusch sein Referat.

Im November 2018 wird die Verfassung dann nach Diskussion durch Delegierte aller Kirchenkreise beschlossen und am 1. Januar 2020 in Kraft treten.

Aus dem Plenum der Delegierten der elf Gemeinden des Kirchenkreises Buxtehude wurde in Ahlerstedt angeregt, die Möglichkeit einer Urwahl der Landessynode zu überprüfen sowie die einzelnen Ämter im Verkündigungsdienst mehr zu würdigen. Neben hauptamtlichen PastorInnen und ehrenamtlichen PrädikantInnen predigen auch DiakonInnen und ehrenamtliche LektorInnen, die ordnungsgemäß berufen sind.

Rückblick auf Visitation

Superintendent Dr. Martin Krarup berichtete über den Abschluss der Visitation des Kirchenkreises: Landessuperintendent Dr. Hans Christian Brandy habe sich zufrieden über die gut strukturierte und aktive Arbeit sowie die gute Atmosphäre in den Gremien geäußert. Mit dem Kirchenkreis hatte er einige Ziele für die weitere Entwicklung vereinbart.

So soll für die Öffentlichkeitsarbeit eine Regelung über die personelle Ausstattung erarbeitet werden. Religionspädagogische Fortbildungen für Lehrkräfte sollen wieder aufgenommen werden und die Versorgung mit Religionsunterricht an einzelnen Schulen soll mit der Landesschulbehörde thematisiert werden.

Angesichts der großen Herausforderungen, vor denen die gesamte Kirche steht, sollen in Zusammenarbeit mit zwei besonderen missionarischen Projekten Impulse und Unterstützungsmöglichkeiten für die Kirchengemeinden entwickelt werden.

Für die interne Kommunikation von Kirchenkreis-News zwischen den Sitzungen des KKT stellte Krarup einen per Mail verschickten Newsletter in Aussicht.

Kinder und Jugend

Die Kreisjugendwartin Karen Seefeld sowie der Kirchenkreisjugendkonvent wünschen sich, dass der Kinder- und Jugendausschuss mehr mit Leben gefüllt wird. Pastor Keno Eisbein und Burkard Herbers wurden neu in diesen Ausschuss gewählt. Eine Beteiligung der Geestregion wäre ebenfalls wünschenswert, so Seefeld.

Frauen

Die frühere Kreisfrauenbeauftragte Margret Voss machte darauf aufmerksam, dass ein Neustart für die Frauenarbeit dringend geboten sei und regte einen Aufruf über die Gemeindebriefe an, sich hier zu beteiligen.

Einführung der Doppik

Kirchenamtsleiterin Gabriele Furche stellte die enormen Herausforderungen dar, die auf ihr Amt und die dort vertretenen drei Kirchenkreise Bremervörde-Zeven, Buxtehude und Stade zukommen, wenn ab 2019 die Buchführung von der Kameralistik auf die Doppik umgestellt wird.

Umfangreiche Schulungen sind ab 2018 auch für Mitarbeitende in den Kirchengemeinden in Planung.

19.11.2017, Christa Haar-Rathjen

Rüdiger Graeger (links) und Dr. Rainer Mainusch