Hexenprozesse in Buxtehude: Mahnmal enthüllt

Buxtehude. Das Mahnmal zur Erinnerung an die Opfer der Buxtehuder Hexenprozesse ist am Mittwochabend, 22. November, eingeweiht worden. Damit hat die Hansestadt das begangene Unrecht an 21 wegen Hexerei und Zauberei angeklagten Frauen offiziell anerkannt. Zwischen 1540 und 1644 waren in Buxtehude nachweislich 21 Frauen angeklagt, 15 nach grausamer Folter hingerichtet worden – davon 13 durch Verbrennen. Das Mahnmal besteht aus drei Bronzeguss -Gedenktafeln (89 mal 42 Zentimeter) und wurde gestaltet vom Bildhauer Michael Jalowczarz. Angebracht ist es direkt am Historischen Rathaus an der Seite Lange Straße.

Buxtehudes Bürgermeisterin Katja Oldenburg-Schmidt nannte den Tag der Enthüllung bedeutend; er werde in die Geschichtsbücher eingehen. „Mit Genugtuung und Respekt“ habe sie den einstimmigen Beschluss des Rates der Hansestadt Buxtehude vom 18. April 2016 wahrgenommen, die Opfer der Hexenprozesse zu rehabilitieren. Die Enthüllung des Mahnmals sei nun ein weiterer und wichtiger Schritt. Sie empfinde es als große Demütigung, dass Frauen auch heute noch verfolgt und benachteiligt werden. An den Schöpfer der drei Gedenktafeln, Michael Jalowczarz gerichtet: „Sie haben das umgesetzt, was so schwer in Worte zu fassen ist.“

„Dunkles Kapitel gehört zur Geschichte der Kirche in Buxtehude“

Der Superintendent des ev.-luth. Kirchenkreis Buxtehude, Dr. Martin Krarup, hob während der Gedenkfeier im Ratssaal des Historischen Rathauses hervor, dass durch die Hexenprozesse in Buxtehude „großes Unrecht an fünfzehn Frauen und deren Familien geschehen“ sei: „Auch wenn dabei weltliche Gerichte entschieden haben, gehört dieses dunkle Kapitel auch zur Geschichte der Kirche in Buxtehude.“ In seiner Predigt in der St.-Petri-Kirche, im Anschluss an die Gedenkfeier, appellierte er deutlich an die Courage: „Heute mahnen uns die Geschehnisse von damals, wachsam zu sein und die Stimme zu erheben, wo heute Menschen Opfer von Hetze werden.“

Buxtehudes Stadtarchivar Bernd Utermöhlen erinnerte daran, dass der Glaube an Hexen zwar in der Religion verankert gewesen sei und sogar der Reformator Martin Luther an die Existenz von Hexerei und Zauberei geglaubt hatte. Es sei allerdings die weltliche Obrigkeit, also der Rat der Stadt Buxtehude, gewesen, die die sogenannten Hexen verurteilten. Diese Prozesse seien in Buxtehude nie vergessen worden: „Jede Generation hatte ihren Weg gefunden, damit umzugehen“, so Bernd Utermöhlen. Der Rat der Hansestadt Buxtehude hatte am 18. April 2016 sein tiefes Mitgefühl mit den Opfern bekundet und die Gewalt, die den Frauen angetan wurde, verurteilt. „Das Unrecht ist bis heute erschütternd – und eine Mahnung für die Gegenwart“, sagte Bernd Utermöhlen.

„Änderung gelingt nur durch Sensibilisierung und Enttabuisierung“

Die Ideengeberin des Mahnmals, die Gleichstellungsbeauftragte der Hansestadt Buxtehude Gabi Schnackenberg, nannte die Einweihung des Mahnmals und die Erinnerung an das getane Unrecht einen wichtigen Schritt, mahnte zugleich an, dass Gewalt gegen Frauen auch heute noch ein gesamtgesellschaftliches Problem darstelle: „Gewalt an Frauen findet täglich statt, auch hier bei uns in Buxtehude.“ Es sei wichtig, dass das Thema in all seinen Facetten in die Öffentlichkeit getragen werde: „Es kann sich nur etwas ändern, wenn eine Sensibilisierung und Enttabuisierung stattfindet. Dafür tragen wir alle, Männer wie Frauen, die Verantwortung.“

Auch der Schöpfer der Gedenktafeln, Bildhauer Michael Jalowczarz, spannt mit seinem Werk den Bogen zwischen Vergangenheit und Gegenwart: „Bei dem Entwurf war es mir wichtig, dem Gedenken der gerichteten Frauen gerecht zu werden. Auch im Hinblick auf die Gewalt, die Frauen in der heutigen Zeit immer noch angetan wird.“ Den Betrachtern bliebe die Möglichkeit zu eigenen Assoziationen: Der Künstler beschrieb das Motiv mit eigenen Worten: „Eine ins Leere schauende Frauenfigur, die ihren Blick aus matten Augen in Richtung rechte Seite wendet. Zum Licht, zum Feuer. Stumm in enge Tücher gehüllt. Sprachlos. Bewegungsunfähig.“

Am Mahnmal die Namen der Opfer verlesen

Am Mahnmal verlas Buxtehudes Bürgermeisterin Katja Oldenburg-Schmidt schließlich die Namen der 21 angeklagten Frauen; in Trachten gekleidete Gästeführerinnen entzündeten pro Opfer eine Kerze. Im Anschluss fand ein Gottesdienst zum Buß- und Bettag in der St.-Petri-Kirche statt. Auch dort befasste sich Superintendent Dr. Martin Krarup mit dem öffentlichen Gedenken und der historischen Verantwortung.

Für das gesamte Projekt, inklusive Material- und Produktionskosten, Künstlerhonorar, Installation und Ausrichtung der Feierlichkeit waren 22.500 Euro veranschlagt; 15.000 Euro werden von der Stadt bereitgestellt, 5.000 Euro von der Kulturförderung Sibylle Bruns-Decker und Michael Bruns sowie 2.500 Euro von der Sparkasse Harburg-Buxtehude.
 

 

Der Text, der im Mahnmal eingelassen wird:

"Hexenprozesse in Buxtehude

Zwischen 1540 und 1644 sind in Buxtehude nachweislich 21 Frauen wegen „Hexerei“ bzw. „Zauberei“ angeklagt worden. Von ihnen sind 15 nach grausamer Folter hingerichtet worden, davon 13 durch Verbrennen. Die Urteile wurden vor der versammelten Bürgerschaft von der Rathaustreppe aus verkündet und auf dem außerhalb der Stadt gelegenen Richtplatz vollstreckt.

Der Rat der Hansestadt Buxtehude hat in seiner Sitzung am 18. April 2016 sein tiefes Mitgefühl mit den Opfern bekundet und verurteilt die Gewalt, die den Frauen angetan wurde. Er stellt fest, dass ihnen großes Unrecht widerfahren und ihnen und ihren Familien unvorstellbares Leid zugefügt worden ist. Die öffentliche Anerkennung des Unrechts bedeutet zugleich eine sozialethische Rehabilitierung der Opfer und stellt ihre Ehre wieder her.“

Opfer der Buxtehuder Hexenprozesse 1540-1644:

1540 Metcke Wildenbrockes, „gerechtfertiget“ (= bestraft)
1545 Metcke Wildenbrockes, hingerichtet
1555 Gesche Kahlen, hingerichtet, Ahlcke Rolapp, „gerechtfertiget“ (= bestraft), Gretcke Timmen, „gerechtfertiget“ (= bestraft)
1556 Ahlcke Hedendorp, hingerichtet durch Verbrennen, Margareta Bicker, Frau des Bürgermeisters Segebade Bicker, hingerichtet durch Verbrennen
1558 Namentlich nicht genannte Frau, hingerichtet durch Verbrennen
1588 Ilsabe Meyers, hingerichtet durch Verbrennen
1590 Gretje Wüppers, hingerichtet durch Verbrennen
1598 Gesche Meyers, hingerichtet durch Verbrennen, Ahleke Hagens, hingerichtet durch Verbrennen
1607 Wöbcke Richers, hingerichtet durch Verbrennen
1608 Gesche von Schleiseln, hingerichtet durch Verbrennen, Becke Lohmanns, hingerichtet durch Verbrennen, Catharina Möllers, hingerichtet durch Verbrennen
1609 Wummel Dickgreve, der Zauberei verdächtigt, Prozessausgang nicht belegt
1613 Anne Ropers, Verfahren aus Mangel an Indizien nicht fortgeführt
1614 Becke Kruse, hingerichtet durch Verbrennen, Ilse Dede, aus der Stadt gewiesen
1625 Else Meyer, hingerichtet durch Verbrennen
1643-1644 Elisabeth Hessel angeklagt, Prozessausgang nicht belegt

Gedenken: Die Stadtführerinnen Sonja Kaiser und Marlies Hauschildt enthüllen das Mahnmal in Erinnerung an die Opfer der Buxtehuder Hexenprozesse. © Hansestadt Buxtehude

Eine Mahnung auch für heutige Zeiten: Stadtarchivar Bernd Utermöhlen erinnert an die 21 wegen Hexerei und Zauberei angeklagten Frauen. © Hansestadt Buxtehude