Eine unvergessliche Reise nach Äthiopien zum 20. Geburtstag der Waisenhilfe Gimbi

Nachricht 16. April 2026

Eine Partnerschaft - getragen von gegenseitigen Gebeten

Die Reisegruppe aus Ahlerstedt und Bargstedt mit ihren Gastgeber:innen in Gimbi. Foto: Kathleen Wohlers

Ahlerstedt/ Bargstedt. Im vollbesetzten Gemeindehaus in Bargstedt verfolgten am Freitagabend zahlreiche Interessierte den Reisebericht der elfköpfigen Gruppe aus den Dörfern rundum Ahlerstedt und Bargstedt, die im Februar die Partnergemeinde in Gimbi besucht hatte.  Seit 2006 unterstützen Menschen aus beiden Geest-Kirchengemeinden äthiopische Kinder und Jugendliche, die einen oder beide Elternteile verloren haben, oft infolge einer Krankheit, eines Unfalls oder einer HIV-Infektion. Die Stadt mit mittlerweile rund 125.000 Einwohner:innen liegt etwa 450 km westlich der Hauptstadt Addis Abeba. Die schnell wachsende Gemeinde gehört zur Mekane-Yesus-Church und hat mehr als 4000 Mitglieder.

Ein mit stimmungsvoller Musik untermaltes Video mit Fotos der Reise eröffnet den Abend.  Der Bericht zeigt: Ein entspannter Urlaub war die Reise nicht. Das wurde schon auf dem langen Weg von der Hauptstadt Addis Abeba in die Partnergemeinde deutlich: In einem Kleinbus brauchte die Gruppe mehr als elf Stunden für die 450 km (die Pausen nicht mitgerechnet)  auf zum Teil aus tiefen Schlaglöchern bestehenden Straßen: „Dagegen ist die Straße in Hollenbeck kaum ein Problem!“ ließ eine Mitreisende verlauten.

Es geht jedoch nicht um Vergleiche nach dem Motto „bei uns – bei euch“, sondern um die Begegnungen mit den Menschen. Es geht um die Jubiläums-Feier und den Austausch über das Projekt mit Besuchen bei den Kindern und ihren Angehörigen sowie um Planungen gemeinsam mit dem Waisenhilfe-Komitee und Kommunal-Verantwortlichen vor Ort.

Nach einem Festgottesdienst mit rund 3500 Gottesdienstbesucher:innen, der etwa vier Stunden dauert, folgt ein Treffen mit den Kindern und ihren Caregivern. So werden diejenigen genannt, bei denen die Kinder leben. Manchmal ist es ein verbleibender Elternteil. Wenn beide Eltern verstorben sind, sind es Verwandte oder Nachbarn, die die verwaisten Kinder aufgenommen haben. Zunächst gibt es kleine Geschenke: Die Reisegruppe verteilt Sachspenden, zu denen die Volksbank Geest, die Kreissparkasse Stade und Edeka-Meibohm Stifte und Süßigkeiten beigesteuert haben.

Einmal im Jahr, zum Schuljahresbeginn, werden die Kinder des Projektes sowie ihre Geschwister mit Kleidung und Schulmaterial ausgestattet. 30 Euro pro Monat braucht es, um ein Kind und gleichzeitig seine Geschwister zu fördern. Darin ist auch die medizinische Versorgung enthalten. Bei dem Treffen im Februar sind von den 140 Kindern des Projektes 136 anwesend. „Die fehlenden vier Kinder hatten wirklich gute Gründe, wie eine Krankheit, nicht dabei zu sein,“ bekräftigt Mitreisende Kathleen Wohlers aus dem Waisenhilfe-Komitee.

In den nächsten Tagen teilt sich die Gruppe auf, um möglichst viele der Kinder zuhause zu besuchen. Da ist z. B. Meti. Sie ist 13 Jahre alt und seit sieben Jahren im Projekt. Ihre Eltern sind beide verstorben. Ihre Caregiverin ist ihre 21-jährige Schwester. Diese ist selbst noch in der Ausbildung. Beide lebten lange bei einer Tante, die im Hintergrund noch unterstützt. Metis Ziel ist es, Medizin zu studieren.

Kenani ist 16 Jahre alt und seit sechs Jahren im Projekt. Sein Vater ist verstorben. Die Mutter ist mit drei Kindern allein. Ein Bruder von Kenani ist gehörlos. Seine Mutter hat für ihre Familie durch harte Arbeit viel erreicht. Sie hat drei Stunden Fußweg entfernt einen Acker erworben und bestellt. Nun verkauft sie die Erträge. Sie ist ein Beispiel dafür, dass mit einer kleinen Hilfe viel Selbstständigkeit erreicht werden kann.

Bei der Auswahl der Kinder achten die Mitglieder des Komitees vor Ort (Mitglieder aus der Gemeinde Gimbi und der Synode) auch darauf, dass die finanziellen Hilfen unter dem bleiben, was Angestellte durchschnittlich erhalten.

Nur wer zur Schule geht, kann im Projekt bleiben. Es werden daher möglichst die Kinder einer Familie ins Projekt genommen, bei denen die Aussicht darauf besteht, dass sie die Schule schaffen können. So können auch Geschwister, die vielleicht größere Lernschwierigkeiten haben, vom Projekt profitieren.

Drei Social Worker kümmern sich derzeit um die 140 Kinder, ihre Geschwister und Caregiver.  Seitdem eine Frau unter den Social Workers ist, werden die Bedürfnisse der Mädchen stärker gesehen. Sie erhalten z. B. einen Extra-Betrag für Hygieneartikel.  Für die zurzeit 140 Kinder im Projekt - dazu kommen 170 Geschwisterkinder - wird ein Spendenaufkommen von rund 38.000 Euro jährlich gebraucht. Darin enthalten sind auch die Gehälter der Social Worker. Im Laufe dieses Jahres sollen in zwei Durchgängen insgesamt 20 weitere Kinder aufgenommen werden. Das erfordert mehr Organisation und die Anstellung mindestens eines oder einer weiteren Sozialarbeiter:in. Das Waisenhilfe-Komitee aus den drei Gemeinden Ahlerstedt, Gimbi und Bargstedt will das schaffen. Weitere Spenden werden daher sehr begrüßt. Ob durch einen monatlichen Beitrag oder durch eine einmalige Gabe, jeder Betrag ist willkommen.

Auch Klaus Meyer aus Wangersen blickt zufrieden zurück auf die Reise: „Mich beeindruckt, wie dieses Projekt so viel Gutes bewegt. Für die Familien, die Hilfe erhalten, bedeutet es einfach, die Hoffnung zu behalten. Keiner muss Angst haben vor dem nächsten Tag.“

Die Partnerschaft der drei Gemeinden, zu der das Waisenhilfe-Projekt gehört, gibt den Beteiligten vielmehr als Geld allein es leisten kann.

Ioana Ahrens aus der Reisegruppe bringt es auf den Punkt: „Es ist ein Kontakt geistlicher Art, getragen von gegenseitigen Gebeten. Wir sehen darin ein Zeichen gegen den Hass, einen Beitrag zur Verständigung zwischen Völkern und Kulturen, zur Einheit der Christen.“

Ein Besuch von den Partner:innen aus Gimbi auf der Geest ist für das nächste Jahr geplant.

Christa Haar-Rathjen