„Gemeinsam erreichen, was allein keiner schaffen kann“
Buxtehude. Mit einem Grußwort im Gottesdienst in der St. Petri Kirche beendete Sabine Preuschoff am 1. November ihre Visitation in userem Kirchenkreis.
Die Theologin, die seit einem Jahr im Amt der Regionalbischöfin des Sprengels Stade ist, betont, sie habe „sehr viel wahrgenommen, was ich wertschätzen kann.“ Viele Gespräche hatte sie in den vergangenen Wochen geführt mit Vertreterinnen und Vertretern aus den Aufgabenfeldern des Kirchenkreises von der Ev. Jugend über die Ev. Kitas bis zur Kirchenkreiskonferenz sowie mit Religionslehrkräften.
Ein Team um Superintendent Dr. Martin Krarup hatte den Gottesdienst vorbereitet mit Ehrenamtlichen aus dem Kirchenkreisvorstand und der Gemeinde. Berührende Lieder sang die Kantorei des Kirchenkreises. Bei einem anschließenden Kirchenkaffee konnten die Gottesdienstbesucher:innen mit der Regionalbischöfin ins Gespräch kommen.
Z. B. die Vielfalt der Kirchenmusik vom Kammerchor und der Kantorei bis zur Singschule Wunderwerk in Neukloster nahm Preuschoff bei ihren Besuchen wahr. So treffen sich rund 85 Jugendliche in Neukloster wöchentlich zur Chorprobe. Die Regionalbischöfin hörte genau hin, was junge Menschen motiviert, regelmäßig mitzusingen und erfuhr von einer Chorsängerin: „Es ist mehr als miteinander singen – es ist eine abendliche Umarmung.“ Und: „Man geht beseelt und verändert.“ Besser könne man nicht sagen, was Kirche sein kann, so die Theologin.
Viele Türen öffneten sich für sie, auch dort, wo Kirche über den eigenen Kontext hinaus wirkt oder im Dialog ist: Im Elbeklinikum mit der Ev. Krankenhausseelsorge, die dort sehr geschätzt sei und im Gespräch mit Erkan Dündar, dem Vorstand der Moscheegemeinde.
Preuschoff traf die beiden Landtagsabgeordneten Birgit Butter und Corinna Lange. Auch besuchte sie die Tischlerei Gerken in Aspe und das Unternehmen Viebrockhaus in Harsefeld. Mehrfach gehört habe sie den Wunsch: „Öffnet eure Kirchen!“ Sie seien kostbare Orte der Stille, an denen nichts geleistet werden müsse und Gottes Nähe neu gespürt werden könne.
Positiv resümiert sie: „Menschen erleben und erfahren hier: Die Kirchensteine und Kirchtürme in den Dörfern und der Stadt markieren die Stellen, wo der Himmel die Erde berührt.“
Gleichwohl gingen gesellschaftliche Entwicklungen nicht spurlos an den Gemeinden und Einrichtungen im Kirchenkreis Buxtehude vorbei: „Die Gemeinden verlieren im Schnitt etwa drei Prozent ihrer Mitglieder pro Jahr. Das ist landeskirchlicher Durchschnitt, aber es ist ein Trend, den wir nicht stoppen können. Auch hier ringen die Gemeinden mit den Herausforderungen der Gebäudeunterhaltung. Und der Diakonieverband muss bereits Angebote streichen, weil Förderung von außen gestrichen wird und die eigenen kirchlichen Mittel abschmelzen.“
Manchmal fühle sich die Kirchenrepräsentantin wie der Hase aus dem mit der Estestadt verbundenen Märchen „Has´ und Igel“: „Wir rennen und rennen, wir optimieren, wir legen noch ein Angebot drauf, und trotzdem ist das Problem schon da, immer einen Schritt voraus.“
Vom Igel, der gemeinsam mit der Igelin gegen alle Erwartungen den Wettlauf gewinnt, könne Kirche lernen: „Gegen Probleme, die schneller sind als wir, hilft keine Hektik, sondern Klugheit und Kreativität.“ Und: „Wer gemeinsam aufgestellt ist, erreicht, was einer allein nie schaffen würde.“
Regionalisierung sieht die Stader Theologin als „Chance, gemeinsam Strukturen zu schaffen, in denen wir auch mit weniger Personen und weniger Geld gut arbeiten und unseren Auftrag erfüllen können: Menschen die frohe Botschaft von Gottes Liebe zu erzählen.“
Christa Haar-Rathjen